Hospiz-Projekt in Oswiecim

Historische Verantwortung

Errichtet im Gedenken an die lokalen Helfer der Flüchtlinge: Hospiz Oswiecim
Errichtet im Gedenken an die lokalen Helfer der Flüchtlinge: Hospiz Oswiecim

Die Bundesregierung engagiert sich an dem Ort, der für das schlimmste Verbrechen in deutschem Namen steht. In Oświęcim wird in der Nähe des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz mit deutscher Unterstützung ein Hospiz eröffnet. Die Einweihung ist für Anfang 2012 geplant.
In dem neuen Hospiz werden unheilbar kranke Menschen aus Oswiecim und Umgebung medizinisch und sozial betreut. Für die Fertigstellung des Hauses hat das Bundesministerium für Gesundheit Ende 2010 100.000 Euro bereitgestellt. Dies geschah in enger Zusammenarbeit mit der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ), der Deutschen Botschaft in Warschau sowie dem deutschen Generalkonsulat in Krakau. Ergänzend zu dieser Förderung wird das Bundesministerium für Gesundheit auch den Erfahrungsaustausch zwischen dem Pflegepersonal in Oświęcim und deutschen Hospizeinrichtungen unterstützen. So stärkt die Bundesregierung nicht zuletzt auch die Verbreitung des Hospizgedankens in Polen. Auch dieses Beispiel einer deutsch-polnischen Zusammenarbeit zeigt: 20 Jahre nach der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Freundschaftsvertrages ist aus Distanz, aus Unsicherheit im Umgang miteinander eine gut funktionierende Partnerschaft geworden. Ihre Grundlage ist wachsendes Vertrauen,  

Dazu sagt Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr: „Terror, Vernichtung und Erniedrigung haben tiefe Wunden hinterlassen. Diese Wunden verheilen nicht von selbst, nur weil sie vor vielen Jahrzehnten geschlagen wurden. Denn Vergangenheit vergeht nicht. Aber wenn Geschichte zur gemeinsamen Erinnerung und aus dieser Erinnerung gemeinsames Handeln wird, entsteht Hoffnung für die Zukunft. Das Hospiz in Oswiecim ist keine in Stein gemeißelte Erinnerung. Es ist ein Ort, an dem in ganz besonderer Weise Lehren aus der Geschichte gezogen werden."

Mit Würde den letzten Lebensabschnitt begehen

Die Errichtung des Hospizes geht auf eine Idee des polnischen Schauspielers, Regisseurs und Autors August Kowalczyk zurück, der sich seit langem für Verständigung und Aussöhnung zwischen Polen und Deutschen einsetzt. Der heute 90-Jährige wurde im Dezember 1940 in Auschwitz interniert und konnte im Juni 1942 bei einem Massenfluchtversuch entkommen. Sein weiteres Überleben verdankt er den Einwohnern der Städte Oświęcim, Bieruń und Bojszowy. Den vielen Menschen, die den Häftlingen der Konzentrationslager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau unter Gefährdung ihres eigenen Lebens geholfen haben, wollte August Kowalczyk bereits seit langem mit der Errichtung eines Hospizes danken - immer in der betonten Absicht, an diesem Ort der Vernichtung auch in einer gemeinsamen deutsch-polnischen Anstrengung ein sichtbares Zeichen für die Achtung vor dem Leben, für den würdigen Umgang mit anvertrauten Menschen auf ihrem letzten Lebensweg zu setzen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde die "Stiftung Denkmal-Hospiz der Stadt Oswiecim" gegründet, deren gegenwärtige Vorsitzende, Frau Helena Wisla, nichts unversucht ließ, den Bau des Hospizes zu realisieren.

Internationale Unterstützung

Das neue Hospiz wird in die Versorgungsstrukturen von Oświęcim und der Woiwodschaft Małopolskie (Kleinpolen) integriert. Es ist vorgesehen, dass sich der Nationale Gesundheitsfonds in Polen (Narodowy Fundusz Zdrowia) an den Kosten der palliativen Betreuung der Patienten in diesem Hospiz beteiligt. Seit 2003 kann der Nationale Gesundheitsfonds in Polen auch in nichtstaatlichen Einrichtungen entstehende Kosten übernehmen. Zur Vollendung der Baumaßnahmen haben neben der polnischen Regierung und der Wojwodschaft Kleinpolen auch die Regierungen in Italien, Japan und der Schweiz sowie private Spender zumal aus Deutschland beigetragen.

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