Fakten Ärzteversorgung

Daten und Fakten zur ärztlichen Versorgung in Deutschland

Stand: 23.09.2011

Mit dem Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung steigt der Bedarf an Gesundheitsleistungen

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Neugeborenen steigt:

  •   1900 für Männer 40,6 Jahre und für Frauen 44,0 Jahre
  •   1970 für Männer 67,4 Jahre und für Frauen 73,8 Jahre
  •   2010 für Männer 77,6 Jahre und für Frauen 82,8 Jahre
  •   2050 für Männer 83,7 Jahre und für Frauen 88,1 Jahre

 

Die weitere Lebenserwartung von 60-Jährigen steigt:

 

  •   1900 für Männer 13,1 Jahre und für Frauen 14,2 Jahre
  •   1970 für Männer 15,3 Jahre und für Frauen 19,1 Jahre
  •   2010 für Männer 19,2 Jahre und für Frauen 23,5 Jahre
  •   2050 für Männer 23,7 Jahre und für Frauen 28,2 Jahre

Für die Zusammensetzung der Gesellschaft bedeutet dies: Die Gruppe der über 60-Jährigen wird zunehmen:

  •   2008: 21.000.000
  •   2020: 24.500.000
  •   2030: 28.500.000
  •   Um 2020 werden – je nach Bundesland – zwischen 25 % und 36 % der Bevölkerung über 60 Jahre alt sein.
  •    Besonders stark wird die Zahl der 60-Jährigen und Älteren bis 2020 in Brandenburg
    (+ 37 %) und Mecklenburg-Vorpommern (+ 35 %) steigen, gefolgt von Baden-Württemberg (+ 28 %).

Mit dem medizinischen Fortschritt steigt der Bedarf an Gesundheitsleistungen

  •   1975: erste Knochenmarktransplantation – 2011: bereits 26.199 Spenden allein über die DKMS
  •   1969: erste koronare Bypass-Operation – 2009: 162.417 Herzoperationen jährlich in Deutschland
  •   1956: Erste Eingriffe am Hüftgelenk inkl. Ersatz des Hüftgelenks – 2009: 160.000 Menschen, denen eine neues Hüftgelenk eingepflanzt wurde.
  •   1964: Erste erfolgreiche Nierentransplantation – im Jahr 2009 wurden bereits mehr als 2.700 Nieren verpflanzt.
  •   1961: Erste Implantation eines Herzschrittmachers – 2009 wurden bereits über 101.000 Herzschrittmacher eingesetzt und weitere 46.800 gewechselt.
  •   1971 wurden die ersten Untersuchungen mit Computertomographen durchgeführt.
  •   2009 wurden fast 4 Millionen CT-Untersuchungen vorgenommen.
  •   1983: Untersuchungen mit dem ersten elektronischen Endoskop
  •  2009: Mehr als 1 Million Gastroskopien (Magenspiegelungen) werden allein im stationären Bereich durchgeführt.


Die Zahl der Hausärzte sinkt

Bei den Vertragsärzten sinkt die Zahl der Hausärzte, die der Fachärzte steigt:

  •   1993: 1,31 Hausärzte pro tausend Einwohner und 0,51 Fachärzte
  •   2010: 0,70 Hausärzte pro tausend Einwohner und 0,79 Fachärzte

Trotz des allgemeinen Zuwachses an Ärzten fällt die Arztdichte in den Bundesgebieten höchst unterschiedlich aus. Berlin als einer der führenden Ballungsräume hat 5,23 berufstätige Ärzte pro tausend Einwohner. Schlusslichter sind Brandenburg (3,34 Ärzte pro tausend Einwohner), Sachsen-Anhalt (3,41) und Niedersachsen (3,52).

Die Aufteilung der Ärzte in Berufsgruppen (2010)

Gesamtzahl der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland: 439.100, davon berufstätig: 333.600. 141.500 Ärzte sind ambulant tätig, 163.600 stationär. 9.700 Ärzte arbeiten in Behörden oder Körperschaften, 18.800 in anderen Bereichen (z. B. in der Wirtschaft).

Aufteilung der berufstätigen Ärzte nach Fachgebiet:

  •   Mediziner ohne spezielles Fachgebiet: 98.346
  •   Innere Medizin: 43.955
  •   Allgemeinmedizin: 43.103
  •   Chirurgie: 19.786
  •   Anästhesiologie: 19.413
  •   Frauenheilkunde und Geburtshilfe: 16.599
  •   Kinder- und Jugendmedizin: 12.503
  •   Orthopädie und Unfallchirurgie: 11.380
  •   Psychiatrie und Psychotherapie: 8.633
  •   Radiologie: 6.989
  •   Augenheilkunde: 6.805
  •   Hals-Nasen-Ohrenheilkunde: 5.696
  •   Haut- und Geschlechtskrankheiten: 5.314
  •   Urologie: 5.204

Immer mehr Frauen wählen den Arztberuf

  •    Der Anteil berufstätiger Ärztinnen ist von 33,6 % (1991) auf 43 % (2010) gestiegen.
  •    Im Jahr 2008 waren 63 % der Medizinstudierenden Frauen.
  •    54,7 % der Ärzte und 29,9 % der Ärztinnen arbeiten mehr als 45 Wochenstunden.
  •    Die Wochenarbeitszeit der Ärzte sinkt insgesamt: Rückgang durchschnittlicher ärztlicher Wochenstunden von 41,1 (1991) auf 37,2 (2007) (ambulant).

Zukünftige Entwicklung des Arztberufes

Die Altersstruktur der Ärzteschaft deutet auf Versorgungslücken in naher Zukunft hin:

  •   Das Durchschnittsalter der (Vertrags-)Ärzte ist von 47,46 Jahre (1993) auf 52,11 Jahre (2009) gestiegen. Neben den Psychotherapeuten (53,57 Jahre) sind die Allgemeinärzte am stärksten von der Veränderung der Altersstruktur betroffen (53,15 Jahre).
  •   Der Anteil an über 60-jährigen Vertragsärzten ist von 9,2 % (1995) auf 19,6 % (2009) gestiegen.
  •   Der Anteil von unter 35-jährigen Vertragsärzten ist von 28,4 % (1995) auf 16,6 % (2009) gesunken.

Drohende Versorgungslücken werden durch Berufsanfänger nicht kompensiert:

  •   Die Entwicklung von Absolventen im Fach Humanmedizin war zwischen 1994 (11.978 Absolventen) bis 2006 (8.724 Absolventen) rückläufig. Erst in den Jahren 2007 und 2008 ist die Zahl der Absolventen wieder auf 9.574 bzw. 9.857 angestiegen.
  •    Experten rechnen damit, dass es im Jahr 2020 7.037 Hausärzte weniger geben wird als im Jahr 2010. Ihr Anteil an der vertragsärztlichen Versorgung sinkt seit Jahren (1990: 42,3 %, 2010: 36,2 %)

Die Ab- und Zuwanderung weist eine insgesamt ausgeglichene Bilanz auf:

  •   Jährlich wandern etwa 2.500 deutsche Ärzte ins Ausland ab.
  •   Knapp 17.000 deutsche Ärzte sind im Ausland tätig.
  •   Auf der anderen Seite sind knapp 17.000 approbierte ausländische Ärzte in Deutschland tätig.

Delegation von ärztlichen Leistungen an andere qualifizierte Berufsgruppen

  •    Es gibt rund 400.000 Medizinische Fachangestellte (früher: Arzthelfer/-innen) in Deutschland
  •    Es wurden bzw. werden verschiedene Modellprojekte durchgeführt (EVA, AGnES, VERAH), in denen Medizinische Fachangestellte so weitergebildet werden, dass sie unter bestimmten Voraussetzungen als nicht-ärztliche Praxisassistenten ausgewählte ärztliche Tätigkeiten im häuslichen Umfeld der Patienten übernehmen können, wie z.B. Blutabnehmen.
  •    In der KV Westfalen-Lippe gibt es im Juni 2011 25 „Entlastende Versorgungsassistentinnen“ (EVA) und 50, die das Zertifikat erwerben. Die Anzahl derer, die sich weiterbilden möchten, steigt ständig.
  •    In Baden-Württemberg gibt es bereits 850 weitergebildete „Versorgungs­assistentinnen in der Hausarztpraxis“ (VERAH), die gefördert über den Hausarztvertrag der AOK mit einem Vergütungszuschlag ihren Hausarzt beispielsweise bei Hausbesuchen unterstützen.
  •    Am Modellprojekt „Zukunft Praxisassistenz“ in Sachsen-Anhalt haben bereits 60 Assistentinnen teilgenommen.
  •    Bereits seit dem 1. April 2009 können Hausärzte unter bestimmten Voraussetzungen eine Kostenpauschale für ärztlich angeordnete Hilfsleistungen abrechnen, die in der häuslichen Umgebung der Patienten erbracht werden, d. h. aus den Modellprojekten sind Regelleistungen entstanden, die nun weiterentwickelt werden sollen.

Medizinische Versorgungszentren (MVZ) in Deutschland

  •    In Deutschland gibt es 1.567 MVZ.
  •    Trägerschaft: 741 MVZ (47,3 %) werden von Vertragsärzten betrieben, 604 MVZ (38,5 %) von Krankenhäusern und 322 MVZ (20,5 %) von sonstigen Trägern (z. B. Apotheken)
  •    Ärzte in MVZ: Insgesamt arbeiten 7.889 Ärzte in MVZ, davon sind 1.355 Vertragsärzte und 6.534 angestellte Ärzte. Im Durchschnitt arbeiten in einem MVZ fünf Ärzte.

Ambulante spezialärztliche Versorgung

  •    Die ambulante spezialärztliche Versorgung soll zukünftig die Diagnostik und Behandlung komplexer, schwer therapierbarer Krankheiten umfassen, die je nach Krankheit eine spezielle Qualifikation, eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und besondere Ausstattungen erfordern.
  •    Demnach soll die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit besonderen Krankheitsverläufen oder seltenen Erkrankungen, mit bestimmten ambulant durchführbaren Operationen sowie mit hochspezialisierten Leistungen in Zukunft durch niedergelassene und am Krankenhaus angesiedelte Fachärzte unter gleichen Qualifikationsvoraussetzungen und einheitlichen Bedingungen erfolgen.
  •    Zu den Erkrankungen mit besonderen Krankheitsverläufen gehören insbesondere: onkologische Erkrankungen (Krebs), HIV/Aids, schwere Rheumaerkrankungen, schwere Herzinsuffizienz, Multiple Sklerose, Anfallsleiden, schwere Herzerkrankungen bei Kindern, Versorgung Frühgeborener mit Folgeschäden, bestimmte Querschnittslähmungen.
  • •   In der Europäischen Union gilt eine Erkrankung als selten, wenn nicht mehr als fünf von 10.000 Menschen in der EU von ihr betroffen sind. Derzeit werden etwa 7.000 bis 8.000 Erkrankungen als selten eingestuft. Schätzungen zufolge leiden etwa vier Millionen Menschen in Deutschland an einer seltenen Erkrankung.
  •    Seltene Erkrankungen sind z. B. Marfan Syndrom (20 Menschen von 100.000 erkranken), Mukoviszidose (12,6 Menschen von 100.000 erkranken), Bluterkrankheit (7,7 Menschen von 100.000 erkranken), Fehlbildungen, schwere immunologische Erkrankungen, angeborene Stoffwechselerkrankungen und andere schwere Krankheiten mit geringen Fallzahlen.
  •    Hochspezialisierte Leistungen sind z. B. die CT-gestützten Schmerztherapien.

 

 

Altersstruktur Vertragsärzte

Bild 1 von 2: Vertragsärzte 60 Jahre oder älter zum jeweiligen Jahresende.

Quelle: Bundesärztekammer

Zugelassene Vertragsärzte in Deutschland

Bild 2 von 2: Zugelassene Vertragsärzte in Deutschland untergliedert in Haus-und Fachärzte.

Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung

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