Glossar

Die wichtigsten Begriffe zum Thema Antibiotikaresistenzen

Von A wie Antiinfektiva bis V wie Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) - und was sich dahinter verbirgt

Antiinfektiva


Oberbegriff für Arzneimittel, die gegen Infektionskrankheiten wirken. Je nach Art des verursachenden Erregers unterscheidet man Antibiotika (gegen Bakterien), Virostatika (gegen Viren), Antimykotika (gegen Pilze) und Anthelminthika (gegen Würmer).


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Antibiotika


Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien abtöten oder deren Wachstum hemmen und so Infektionen bei Menschen und Tieren heilen können. Mit Antibiotika kann man bakterielle Infektionen behandeln, zum Beispiel Lungenentzündung (beispielsweise durch Pneumokokken verursacht) oder Blutstrominfektionen (beispielse durch Staphylokokken verursacht). Nicht alle Antibiotika sind gegen alle Bakterien wirksam. Es gibt mehr als 15 verschiedene Klassen von Antibiotika, die sich in ihrer chemischen Struktur und damit in ihrer Wirksamkeit gegen verschiedene Bakterien unterscheiden.


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Antibiotikaresistenz


Bakterien sind resistent gegen ein spezifisches Antibiotikum, wenn das Antibiotikum die Fähigkeit, diese Bakterien abzutöten oder deren Wachstum zu hemmen, verloren hat. Einige Bakterien sind natürlicherweise resistent gegen bestimmte Antibiotika (intrinsische Resistenz). Ein besonderes Problem ist die erworbene Resistenz, die vorliegt, wenn Bakterien, die normalerweise empfindlich gegenüber einem Antibiotikum sind, als Resultat genetischer Veränderung gegen dieses Antibiotikum resistent werden.


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Antibiotikaverbrauch


Antibiotikaresistenz kommt als Folge von Mutationen der Gene der Bakterien vor. Exzessiver und unangemessener Einsatz von Antibiotika beschleunigt das Auftreten und die Verbreitung von resistenten Bakterien. Der Antibiotikaverbrauch im ambulanten humanmedizinischen Bereich liegt in Deutschland mit geringen Schwankungen etwa bei 5 Tagesdosen pro Jahr und GKV-Versichertem. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich im unteren Drittel zusammen mit den Niederlanden, Österreich und den skandinavischen Ländern. In der Spitzengruppe (Griechenland, Zypern, Frankreich, Italien, Belgien und Luxemburg) ist der Pro-Kopf-Verbrauch an Antibiotika zum Teil mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland.

 

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Behandlung von Infektionen mit resistenten Erregern


Infektionen, die von resistenten Bakterien verursacht wurden, sind schwierig oder in seltenen Fällen nicht zu behandeln. Sie führen zu erhöhter Sterblichkeit, verlängerter Behandlungsdauer und höheren Behandlungskosten. Die Antibiotika, die normalerweise zur Behandlung eingesetzt werden, sind nicht mehr wirksam, so dass andere Antibiotika, sog. Reserveantibiotika, gewählt werden müssen. Dabei kann der Beginn der richtigen Behandlung für den Patienten verzögert werden und es kann zu schwerwiegenden Komplikationen bis hin zum Tod kommen.

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Antimikrobielle Therapie


Eine antimikrobielle Therapie erfolgt mittels Substanzen, die die Vermehrungsfähigkeit oder Infektiosität von Mikroorganismen reduzieren, sie abtöten oder inaktivieren. Zu diesen Substanzen gehören u.a. die Antibiotika gegen Bakterien und die Antimykotika gegen Pilze und pathogene Hefen.


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ESBL-bildende gram-negative Bakterien


Vor mehr als 30 Jahren wurden die Antibiotika der Klasse der Cephalosporine der dritten Generation eingeführt. Damit glaubte man in den Vereinigten Staaten die Gruppe der gram-negativen bakteriellen Infektionserreger erfolgreich behandeln zu können. Nach Einführung des Antibiotikums Imipenem aus der Klasse der Carbapeneme vor 25 Jahren gab es einen ähnlichen trügerischen Optimismus in Europa. Inzwischen haben sich gegenüber diesen Antibiotika-Klassen besonders problematische Resistenzen entwickelt, da die Erreger die Fähigkeit entwickelt haben, diverse antibiotikaspaltende Enzyme zu bilden.
So haben in den letzten Jahren die nosokomialen Infektionen mit Darmbakterien wie Escherichia coli und Klebsiella pneumoniae mit Resistenz gegenüber Cephalosporinen der dritten und vierten Generation weltweit deutlich zugenommen. In Deutschland stieg u.a. der Anteil Cefotaxim-resistenter nosokomialer E. coli von 6% (2008) auf 9,4 % (2010). Ursache dieses Anstiegs ist eine Genveränderung, die den Bakterien die Bildung von sehr verschiedenen antibiotika-spaltenden Enzymen mit erweitertem Wirkspektrum gegen Antibiotika ermöglicht (Extended-Spectrum Beta-Lactamasen - ESBL). Neben der Cephalosporinresistenz gewinnen Carbapenem-resistente gram-negative Erreger in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Häufigste Ursache dieser Resistenz ist die Bildung von Carbapenem-spaltenden Enzymen, welche zumeist auch alle Antibiotika der Klasse Penicilline und Cephalosporine enzymatisch spalten können. Infektionen mit diesen Erregern sind zum Teil nur noch mit dem Antibiotikum Colistin erfolgreich behandelbar.

 

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Krankenhausinfektion


"Krankenhausinfektion" ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für "nosokomiale Infektion". 

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Multiresistente Erreger


Ein Krankheitserreger wird dann multiresistent genannt, wenn er gegen eine Vielzahl von Antibiotika oder sogar gegen alle Antibiotika widerstandsfähig ist. Das bedeutet, dass die Erreger sehr schwer bis gar nicht behandelt werden kann. Eine wachsende Anzahl der nosokomialen Infektionen wird durch resistente oder multiresistente Erreger verursacht. Siehe auch Einträge zu:
Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA)
Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE)
ESBL-bildende gram-negative Bakterien

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Nosokomiale Infektion


Eine nosokomiale Infektion (umgangssprachlich auch "Krankenhausinfektion") ist eine Infektion, die in zeitlicher Nähe zu einer Krankenhausbehandlung oder einer ambulanten Behandlung steht. Vor allem für immungeschwächte Patienten besteht eine größere Gefahr, sich mit einem Krankenhauserreger zu infizieren und daran zu erkranken. Für ärztliches und pflegerisches Personal sowie für Besucher mit intakter Immunabwehr stellen die Krankenhauskeime gewöhnlich kein Risiko dar.
In Deutschland wurden im Jahr 2008 rund 17,5 Millionen Menschen an 142,5 Millionen Pflegetagen in 2.083 Krankenhäusern behandelt. Für das Jahr 2008 ergeben sich, basierend auf Hochrechnungen aus dem vom Nationalen Referenzzentrum für die Surveillance nosokomialer Infektionen koordinierten „KISS“ Erfassungssystem bei den 17,5 Millionen vollstationären Krankenhausaufenthalten: ca. 28.000 primäre (nosokomiale) Blutstrominfektionen, ca. 126.000 Katheter-assoziierte Harnweginfektionen, ca. 225.000 postoperative Wundinfektionen. Die Zahl unterer Atemweginfektionen ist schwieriger zu ermitteln und wird auf etwa 80.000 geschätzt.

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Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA)


Viele Krankenhausinfektionen werden durch „Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Stämme“ – kurz MRSA genannt – verursacht. Staphylokokken sind häufig vorkommende Bakterien, die insbesondere die Haut und Schleimhäute besiedeln. Die Besonderheit von MRSA-Bakterien ist jedoch, dass sie oft gegen mehrere Antibiotikagruppen resistent sind. MRSA stellen weltweit vor allem in Kliniken eine Gefahr dar. Besonders betroffen sind die chirurgischen Intensivstationen, Abteilungen für Brandverletzungen und Neugeborenenstationen.

MRSA-Stämme traten erstmals vor 50 Jahren und schon während der klinischen Erprobung des Antibiotikums Methicillin zunächst in England, in den nachfolgenden Jahrzehnten auch weltweit, auf. Bis in die 1990er Jahre waren davon nahezu ausschließlich Krankenhäuser betroffen. „Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Stämme wurden dort zunehmend zu einem Problem:
MRSA sind nicht nur resistent gegen Methicillin und alle anderen Antibiotika in der Klasse der beta-Laktam-Antibiotika, der wichtigsten Antibiotikaklasse für die Behandlung von Staphylokokken-Infektionen, sondern sind oft auch mehrfachresistent gegen weitere Antibiotikaklassen.

Infolge eingeschränkter Therapiemöglichkeiten sind schwere Infektionen, wie z.B. die Sepsis (Blutstrominfektion) doppelt so häufig mit Todesfällen assoziiert wie dies bei Sepsis mit empfindlichen S. aureus-Stämmen der Fall ist.
MRSA haben „Epidemiestämme“ entwickelt, die besonders in Krankenhäusern verbreitet werden können.

Seit dem Auftreten von Infektionen mit MRSA außerhalb der Krankenhäuser seit Mitte der 1990ziger Jahre sowie auch bei Nutztieren seit 2005 ist es wichtig, zumindest zwischen den mit dem Krankenhaus assoziierten MRSA (hospital acquired, ha-MRSA), mit dem ambulanten Bereich assoziierten MRSA (community acquired, ca-MRSA) und mit der Tiermast assoziierten MRSA (livestock associated, la-MRSA) zu unterscheiden. ha-MRSA können im Krankenhaus erworben werden und erst nach Entlassung als Besiedler oder Infektionserreger in Erscheinung treten. Für das Auftreten von ha-MRSA gibt es bekannte Risikofaktoren wie z.B. vorausgehende längere Krankenhausaufenthalte, Behandlung in Intensivpflegeeinheiten oder eine Antibiotikabehandlung. ca-MRSA  treten unabhängig von diesen Risikofaktoren auf.

Der Anteil von ha-MRSA an S. aureus aus Infektionen in Krankenhäusern stieg in Deutschland von 1998 bis 2004 von ~1,5 % auf  20-21 % kontinuierlich an und blieb seitdem auf diesem Niveau. Im europäischen Vergleich entspricht dies dem unteren Durchschnittswert.

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Reserveantibiotika


s. Behandlung von Infektionen mit resistenten Erregern




 

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Vancomycin-resistente Enterokokken


Enterokokken (E.) sind wichtige Erreger von nosokomialen Infektionen, insbesondere bei intensivmedizinisch betreuten Patienten. Risikopatienten sind oft schwer kranke, ältere Patienten mit einem geschwächten Immunsystem. Im stationären Bereich sind Enterokokken die Erreger mit der höchsten Ausbreitungstendenz. Sie weisen oft mehrfache Resistenzen, zum Teil Hochresistenzen gegen Antibiotika auf.

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